Zu hause misten wir aus, weil wir in einem halben Jahr umziehen werden. Ich hatte da eine Bananenkiste voller Anschauungsmaterialien.
Wer weiss, was das ist?
Ein Thermostat ist ein Temperaturregler, der eine eingestellte Temperatur (Sollwert) misst und automatisch den Wärmefluss regelt, um diese Temperatur konstant zu halten.
4. Mose 13+14
Kundschafter
Es war noch nicht so lange her, dass das Volk Israel aus Ägypten herauszog. Nach 430 Jahren in der Fremde konnten sie der Sklaverei entkommen. Das ist nicht einfach gewesen. Der Pharao hatte sich lange Zeit widersetzt. Es benötigte erst grosse Machterweisungen Gottes. Und so sind 7 Plagen über Ägypten gekommen, bis der Pharao das Volk hat ziehen lassen. Doch bald war er sich gereuig und setzte ihnen mit seiner Armee nach. Erneut hat Gott machtvoll eingegriffen: die Israeliten können durchs Schilfmehr ziehen – trockenen Fusses. Aber die nachziehende Armee der Ägypter ertrinkt in den Fluten. Und nun, nach langen Märschen durch wüstes Land stehen sie kurz vor dem Einzug ins verheissene Land. Sie bestimmen ein paar Kundschafter. Diese sollen voran gehen und das Land durchziehen und dann Bericht erstatten.
Zunächst nimmt alles einen guten Lauf. Wir erfahren, dass die Kundschafter heil zurückgekommen sind. Sie hatten das Land durchzogen, kreuz und quer. Man kann sich den Vorgang gut vorstellen. Zuerst, als sie die ersten Schritte ins Land wagten, mögen sie gestaunt haben. Gott hatte Recht behalten. Dieses verheissene Land war wirklich wunderbar. Nach Jahren in Ägypten erschien es ihnen wie das Schlaraffenland.
Die Israeliten. Sie haben wohl mit grosser Spannung auf die Kundschafter gewartet. Sie mögen glücklich und froh darüber gewesen sein, dass Gott sein Versprechen gehalten hatte. Er hatte sie bis hierher zum verheissenen Land gebracht. Ihre Herzen haben sicher höher geschlagen, als sie von weitem die Kundschafter mit den vielen wunderbaren Früchten kommen sahen.
V27 „es fliesst tatsächlich Milch und Honig“
Ja, es ist wahr geworden. Die Früchte waren so gross, dass sie einer allein kaum zu tragen vermochte – herrlich. Es war wie im Paradies.
Doch dann kam es wie es kommen musste:
aber
Das ist typisch. Irgendwie gibt es immer dieses aber.
V 28 „aber stark ist das Volk, das darin wohnt“
Da wird dann aufgezählt, dass es einem schon Angst und Bange werden kann: Amalekiter, die Hetiter und Jebusiter und Amoriter, die Kanaaniter.
Man kann sich das gut vorstellen: Die Kundschafter sind erschrocken, als sie die grossen und starken Völker die in diesem Land wohnten zu Gesicht bekamen. Das war eine Abkühlung. Die anfängliche Begeisterung verschwand. Auf dem Nachhauseweg sank die Temperatur weiter. Und so kamen sie zuhause an und berichteten ihren Leuten.
Das war die Abkühlung der Gefühlslage. Das Thermometer sank. Damit hatte das Volk nicht gerechnet.
Dann versucht noch Kaleb, einer der Kundschafter die Sache ins rechte Licht zu rücken:
V30 „Wir können das Land sehr wohl erobern. Wir sind stark genug“
Aber die anderen Kundschafter halten dagegen. In ihnen bricht die Angst durch. Sie übertreiben masslos. Die Bibel nennt das was sie da erzählen „ein Gerücht“:
V32+33 „Das Land frisst seine Bewohnter und alles Volk, das wir darin sahen, sind Leute von grosser Länge. Wir sahen dort Riesen, Enaks Söhne aus dem Geschlecht der Riesen und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken und waren es auch in ihren Augen.“
Und jetzt gibt eines das andere. Wir lesen:
V1 „Die Israeliten schrien laut auf vor Entsetzen, und das Volk weinte die ganze Nacht.“
Das Volk begann gegen Mose, also gegen die Führung zu murren und sich aufzulehnen.
V2 „Die Israelien überschütten Mose mit Vorwürfen“
Das Volk gibt der Führung die Schuld für die aus ihrer Sicht ausweglose Lage. Das Volk lehnt sich auf. Eine Meuterei.
Mose und Aaron fallen auf ihr Gesicht vor der ganzen Versammlung (V5). Das ist Ausdruck ihrer Hilflosigkeit.
Die Sache entwickelte sich zu einer regelrechten Hysterie.
V2 „Wären wir doch lieber in Ägypten gestorben oder unterwegs in der Wüste. Warum will der Herr uns in dieses Land bringen? Wir werden im Kampf umkommen, und unsere Frauen und kleinen Kinder werden den Feinden in die Hände fallen. Es wäre besser wir kehrten wieder nach Ägypten zurück“
Das war völlig irrational. Diese Sehnsucht nach Ägypten. Die Leute hatten angesichts der Probleme mit denen sie konfrontiert waren, die 400 Jahre Sklavendienst vergessen. Sie konnten nicht mehr klar denken. Die Israeliten hätten niemals wieder nach Ägypten zurückkehren können. Schliesslich ist ja der Pharao bis auf die Knochen gedemütigt worden und die halbe ägyptische Armee ist im Meer ertrunken. Das ist auch so etwas Typisches. In schwierigen Situationen erscheint das Alte, das man einmal hatte oft in rosa. Die Probleme von damals will man nicht mehr wahrhaben. Verstehst Du? Es war doch so schön in Ägypten. Die Sklaverei, ach wie wunderbar.
Als dann Josua und Keleb nochmals Einfluss nehmen wollen, da eskaliert die Situation und die aufgebrachte Menge will Josua und Kaleb auf der Stelle steinigen (V10).
Ja, auch das ist typisch. Es braucht immer einen Sündenbock. Dann ist das Leben scheinbar ertragbarer. Jemand ist schuld, das hilft einem, nicht über sich selber nachdenken zu müssen.
Kaum zu glauben was da geschehen ist. Da ist eine ungeheure Dynamik in der Geschichte. Innert kürzester Zeit hat sich die Gefühlswelt der Leute radikal geändert. Sorgen, dann Angst, dann Ärger, dann Zorn und Meuterei bis hin zur Lunchjustiz.
Alle Dämme brechen
Es gibt nichts was es nicht gibt. Auch unter gottesfürchtigen Menschen. Es braucht nicht viel ... und er Zorn entlädt sich. Wir kennen das alle. Und das verrückte ist, Gott greift nicht immer ein. Manchmal schafft Gott ein Wunder. Doch manchmal lässt er die Dinge geschehen. Und bitte fragt mich nicht warum. Auch in unserer Geschichte hat Gott es geschehen lassen. Er lässt es eskalieren.
Am Ende wurde es so schlimm, dass Gott selber eingreifen musste, um Schlimmeres zu verhindern:
V10 „die Herrlichkeit Gottes erschien vor den Augen aller Israeliten“
Josua zerriss sogar seine Kleider um sein Entsetzen auszudrücken:
V 7+8 „Das Land, das wir durchzogen haben, um es zu erkunden, ist sehr gut. Wenn der Herr uns gnädig ist, wird er uns in dieses Land bringen und es uns geben. Fallt nur nicht ab vom Herrn und fürchtet euch vor dem Volk dieses Landes nicht“
Josua und Kaleb bringen die Verhältnisse mit Gott in Verbindung. Die Kälte mit der Wärme. Die Dunkelheit mit dem Licht. – gerade so wie der Thermostat. Das Thermometer zeigt nur die Temperatur an. Der Thermostat schaltet um.
Josua und Kaleb reagieren anders. Sie bringen sofort ihre Probleme und Sorgen in Verbindung mit Gott. Anstatt sich aufreiben zu lassen, setzen sie ihr Vertrauen auf Gott. Das ist die Art und Weise, wie wir mit unseren Sorgen, Nöten mit unseren Gefühlschwankungen mit Lustlosigkeit mit Problemsituationen, mit Stress, mit Sünde umgehen müssen. Es gilt, sofort und konsequent zu handeln.
Es geht also nicht um Optimismus oder positive Gedanken „Glas voll oder Glas leer“...
Umschalten - Klick – (Thermostat) Klick
Gott hat uns nicht nur einen Verstand gegeben und Gefühle. Er hat uns als entscheidungsfähige Wesen gemacht und uns den freien Willen gegeben.
Früh genug den Schalter umstellen.
Dann die Frage von Gott selber:
V11b „wie lange weigern sie sich noch mir zu vertrauen?“
V24 „meinen Diener Kaleb will ich ins Land bringen. Er liess sich nicht beirren, er hat mir vertraut“
Es ist also eine Frage des Vertrauens.
Das Volk Israel hatte grosse Wunder erlebt beim Auszug aus Ägypten. Sie konnten durchs Meer hindurch gehen, aber die ägyptische Armee ist an derselben Stelle untergegangen. Dann die Feuersäule …. Wunder über Wunder.
Vertrauen
Gott fordert unser Vertrauen ein.
Mir scheint auch wichtig, dass wir verstehen lernen, dass es nicht allein ums Vertrauen zu Gott geht. Das wäre zu einfach. Es geht auch um das Vertrauen zu Menschen. Am Anfang der ganzen Problematik steht der Konflikt unter den Kundschaftern. Die einen interpretieren die Situation als äusserst gefährlich und die anderen meinen, dass es unter bestimmten Bedingungen schon zu schaffen sei. Wem soll man glauben? Wem hätten die Israeliten glauben / vertrauen sollen. Dem überrissenen Horrorszenario, oder dem Bericht, der Gottes Möglichkeiten einbezieht?
Wir können daraus lernen, wie entscheidend es ist, Menschen zu kennen, die vertrauenswürdig sind. Bei Unsicherheit, Überforderung, Grenzerfahrungen ist es oft so, dass wir die Dinge nicht verstehen müssen. Aber wir sollten wissen, wem wir vertrauen können. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich solche Menschen in meinem Leben habe. Das kann einem viel Ärger ersparen.
Das Volk Israel ist die nächsten 40 Jahre gar nicht mehr aus der Wüste herausgekommen. Und dabei ist das verheissene Land doch so greifbar nah gewesen.
Schluss:
Umschalten – vertrauen
Natürlich ist damit nicht einfach Himmel auf Erden. Die Probleme sind nicht einfach weg. Sie lösen sich nicht einfach in Luft auf.
In der Bibel steht nirgends, dass man als gottesfürchtiger Mensch nicht Schwierigkeiten erleben muss, oder dass alles glatt gehen würde und einem nichts passieren kann.
Und es ist interessant, dass das Volk Israel 40 Jahre später erneut vor dieser herausfordernden Situation stand. Die gefährlichen Riesen sind nämlich nicht einfach verschwunden. Sie sind im Land geblieben.
Kommentar verfassen