Grenzerfahrung im Bergell

 

Eine Tour über Felsriesen im Bergell

Die Durchquerung der Berglandschaften vom Engadin bis zur Landesgrenze nach Italien führt über Gletscher, Moränen, Seen, Schwingt sich von Pass zu Pass am Südrand des Tals, dort, wo sich der Granit empor türmt zu den Zitadellen Motne Disgrazia und Badile. 

Als Familie wandern und kraxeln wir von Maloja zum Forno Gletscher und der Forno Hütte auf 1575 m.ü.M. Dann weiter zum Casnile Pass Nord  auf 2975 m.ü.M. bis zur Albigna Hütte. Am 3. Tag über die Albigna Staumauer zum Cacciabellapass Süd auf 2897 m.ü.M. und der Sciora Hütte. Dann über die Viale zur Sasc Furä Hütte, wo dann der Abstieg nach Bodo erfolgt. 

Am Südrand des Bergells kann man über Gletscher und Pässe von Hütte zu Hütte wandern. Eine Reise zwischen Bergsommer und Granit-Zitadellen auf 2000-3000 m.ü.M. - begeisternd, anstrengend und manchmal auf allen Vieren. Es ist wie Turnen und Tanzen durch eine verrückte Topografie, in der es kaum einen Meter der Waagrechten gibt. Loses Geröll. Zwei Schritte aufwärts, ein Schritt wieder abgerutscht. Dann flacht das Gelände etwas ab. Nach und nach wird das Gestein fester, die Granitblöcke werden gröber. Am besten wählt man die grössten, steigt über die griffigen Kanten höher. Immer wieder blicken wir hinauf und wollen herausfinden, wo die Route durchführt. «Da hinauf sollen wir? - Unmöglich!». Dann eine steile Rinne mit abschüssigen Bändern. Das Blut pocht in den Schläfen. Der Atem stockt. Doch Schritt um Schritt tut sich der Weg auf, Fixseilen entlang, an denen man sich hinaufhangeln kann. «Auch schon hier», tönts von der Passhöhe herunter von denen, die vorangegangen waren. «Wir warten schon sooo lange». Es folgt ein Eintrag ins Gipfelbuch und der Abstieg zur nächsten Hütte. Die Knie zittern. Die Sonne verschwindet. Nebel kommt auf und zieht langsam hoch zu uns. Abseilen über eine hohe Kante.

 

Eine heikle Situation. Wir gehen über den Gletscher und freuen uns über diese spezielle Erfahrung. Dann der Aufstieg. Ich schrecke auf. Unsere älteren Kinder sind vorne weg. Aber hallo, sie steigen in einer äusserst gefährlichen Geröllhalde hoch, wo sich jederzeit grosse Felsen lockern können und in der Folge herunterstürzen. Es gibt hier kaum Markierungen. Es gilt den Weg, der zugehen ist im Terrain lesen. Wir hätten hundert Meter weiter unten in den Hang einsteigen sollen. 

 

Und dann die Hütte. Die Alpen glühen und drinnen ein Hügel dampfender Kartoffelstock - die Krönung des harten Wandertages. So eine Tour verlangt einiges an Erfahrung im Routen finden, Trittsicherheit und Moral. Man muss sich vorbereiten und das Ziel im Auge behalten. Manchmal ist es hart und übersteigt die eigenen Grenzen. Wir haben es gemeinsam geschafft. Jeder, ob gross oder klein hat vom anderen profitieren können. Noch etwas wurde mir in dieser Grenzerfahrung neu bewusst, nämlich dass man vor lauter kämpfen um eine gute Sache vergessen kann das Schöne zu sehen, was vor Augen liegt. Man muss sich Zeit nehmen, um das Gute und Schöne zu sehen. Die Schwierigkeiten hingegen drängen sich auf. Zwischendurch darum mal hinsetzen, atmen, sich neu ausrichten. Das gilt nicht nur für Bergwanderer, sondern auch für Wanderer auf Gottes Wegen.

Die Tour hat jede Menge Ausblicke geboten. Im einen Kessel dominieren Moränen, Geröllhalden mit eingebetteten Gletschern. An einer anderen Stelle raubt einem die Sicht auf Granitkolosse den Atem. Was siehst Du in Deinem Leben? Es ist überall neben Schwerem auch Schönes zu finden. Glücklicherweise. Ein Geschenk Gottes an Dich und mich.

 

Psalm 121

»Ich blicke hinauf zu den Bergen: Woher wird mir Hilfe kommen?« »Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat! Und du sollst wissen: Der HERR lässt nicht zu, dass du zu Fall kommst. Er gibt immer auf dich acht. Er, der Beschützer Israels, wird nicht müde und schläft nicht ein; er sorgt auch für dich. Der HERR ist bei dir, hält die Hand über dich, damit dich die Hitze der Sonne nicht quält und der Mond dich nicht krank macht. Der HERR wendet Gefahr von dir ab und bewahrt dein Leben. Auf all deinen Wegen wird er dich beschützen, vom Anfang bis zum Ende, jetzt und in aller Zukunft!« 

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