Sniper-Tourismus in Sarajevo im Bosnienkrieg. Sarajevo, April 1992. Zivilisten ducken sich und suchen Deckung, weil sie von serbischen Heckenschützen beschossen werden.
Kriegstouristen aus Italien sollen im Bosnienkrieg in den 90er-Jahren viel Geld bezahlt haben, um in Sarajevo zum Spass auf unbewaffnete Zivilisten schiessen zu dürfen. Es geschah während der Belagerung der bosnischen Hauptstadt zwischen 1992 und 1995 aus den umliegenden Hügeln mit Scharfschützengewehren.
Dass es solche schockierenden «Wochenendausflüge» gab, war schon länger bekannt, aber man kehrte das Thema unter den Teppich. Was da geschehen war, konnte und durfte nicht wahr sein. Erst Jahrzehnte später hat eine Spezialeinheit der italienischen Polizei für organisierte Kriminalität die Ermittlungen übernommen. 30 Jahre hat es gedauert, bis das Thema aufgearbeitet wird. Im Februar 2026 hat die Mailänder Justiz einen ersten mutmasslichen Kriegstouristen vorgeladen.
Was mich umgehauen hat, ist die Tatsache, dass es sich bei den Sniper-Touristen nicht um Leute aus dem Umfeld der Mafia oder andere Verbrecher handelt, sondern um "ganz normale Menschen, wie Du und ich". Das Ganze kann nicht auf ein paar böse Menschen eingeschränkt werden. Es geht auch nicht lediglich um die Kriegstouristen, denn da haben einige Leute mit dieser Lust am Töten und dem Leid von anderen Menschen das grosse Geld verdient. Man musste für dieses Vergnügen 100'000.-- bezahlen. Das waren durchorganisierte Menschen-Safaris.
Das alles tönt wie aus einem schlechten Film. Aber Nein, es ist Realität. Es ist ein Teil unserer europäischen Geschichte der Neuzeit, Teil unserer so zivilisierten Welt. Es tun sich Abgründe auf. Was geschieht wohl an anderen Orten, wo nicht so hingeschaut werden kann?
Ich bin mit der These aufgewachsen, der Mensch sei in seinem Innern letztlich ein gutes Wesen. Da kann ich mich noch gut an viele Diskussionen meiner Mutter erinnern, aber auch an das innere Reissen das ich verspürte, um Dinge zu tun, von denen ich wusste, dass sie falsch waren. Grundsätzlich bin ich froh, dass meine Mutter mit dieser positiven Haltung ans Werk gegangen ist. Wer weiss, was sonst aus mir geworden wäre. So aber hatte ich das Glück von positiven Gedanken und Handlungen geprägt zu werden.
Die Frage, ob der Mensch ein «gutes» Wesen ist, ist ein zentrales Thema der Philosophie und Anthropologie. Der Humanismus, insbesondere Jean-Jacques Rousseau prägte die Ansicht, dass der Mensch von Natur aus gut ist und erst durch die Gesellschaft negativ beeinflusst wird. Es gibt aber auch Gegenthesen, nämlich die Auffassung, der Mensch sei egoistisch und ohne gesellschaftliche Ordnung zu bösartigem Verhalten geneigt.
Was sagt die Bibel zum Thema?
1.Mose 6,5
"Gott sah, wie weit es mit den Menschen gekommen war: Sie kümmerten sich nicht um das, was recht ist; ihr Denken und Handeln war durch und durch böse."
Das steht ganz am Anfang der Bibel. Noch kurz vorher in 1.Mose 1,31 lesen wir, wie Gott seine Schöpfung positiv beurteilt : "Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und sah: Es war alles sehr gut." Das war am 6. Tag der Schöpfung, also unmittelbar nachdem Gott den Menschen geschaffen hatte. Was ist zwischen dem 1. und dem 6. Kapitel des Buches Mose geschehen? Vorher hat Gott den Menschen als sehr gut geschaffen beurteilt und jetzt soll der Mensch plötzlich in seinem Innersten verdorben sein? Es war damals der grösste Korruptionsskandal der Menschheit. Adam und Eva, die ersten Menschen, hatten sich auf auf die Verführungs- und Bestechungsversuche des Gegner Gottes eingelassen. Das hatte Konsequenzen. Die Menschen verloren das Paradies und den Zugang zu ihrem Schöpfer. In der Bibel wird berichtet, wie in der Folge die Situation eskalierte. Mit dem Verlust der Gottesbeziehung brachen alle Dämme. Er kam zum Brudermord aus Eifersucht. Beim Sex mit Engeln werden Riesen gezeugt. Selbst nach der Sintflut wursteln die Menschen weiter und versuchen mit dem Bau eines Turmes Gott gleich zu werden. So lesen wir in 1. Mose 8,21 erneut:
"Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf."
Irgendwie scheint es, als hätte Gott resigniert. Dem Menschen ist nicht mehr zu helfen. Später in der Bibel erfahren wir aber, dass Gott angesichts der Verderbtheit der Menschen nicht aufgegeben hat. Bereits im Alten Testament hören wir vom Propheten Hesekiel:
Hesekiel 36, 26-27
"Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz. Mit meinem Geist erfülle ich euch, damit ihr nach meinen Weisungen lebt, meine Gebote achtet und sie befolgt."
Später überwindet Gott in seiner Liebe zu uns Menschen alle Hindernisse. Er kommt selber in diese Welt, lässt sich auf unsere Ebene herunter und schafft damit ganz neue Verhältnisse.
Ja, der Mensch kann grausam sein und Schreckliches tun. Aber es ist nicht alles verloren. Aus der Sicht der Bibel gibt es Hoffnung. Der Mensch ist nicht nur schlecht. Er kann auch Gutes tun und hat Potential aus der Sicht Gottes. Aber Achtung: Der Mensch ist und bleibt sehr anfällig auf Selbstüberhebung und korrumpiert leicht.
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