Themenreihe: Klagen - Jammern - Meckern - Dankbarkeit
Teil 3
Meckern bezeichnet umgangssprachlich das ständige, oft kleinliche oder unberechtigte Beschweren oder Kritisieren. Es ist meist eine unsachliche Ausdrucksform von Unzufriedenheit. Zudem beschreibt es den Laut von Ziegen. Es dient oft dazu, Druck abzulassen oder Aufmerksamkeit zu fordern.
Motzen bedeutet umgangssprachlich, seinen Unmut durch Schimpfen auszudrücken. Es wird synonym zu meckern, mosern, lästern, nölen oder mäkeln verwendet. Typische Anwendungsbeispiele sind: „Immer muss er über das Essen motzen“ oder „Hör auf zu motzen!“
Es fällt auf, wie viele Menschen die Kultur des Nörgelns pflegen, unabhängig vom Alter. Der Zug kommt zu spät, der Bus ist zu voll, das Wetter ist zu kalt, der Weg ist zu steinig, die Schlange ist zu lang, die Kassiererin ist zu langsam. Die Nörgelliste lässt sich unendlich fortschreiben. Menschen nörgeln schon seit Jahrtausenden.
Nörgeln und Meckern in der Bibel:
Die prominenteste Nörgelgeschichte ist sicherlich die, bei der das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten ordentlich ins Meckern und Nörgeln gerät. War in Ägypten nicht alles besser? Wir haben nicht zu essen, wir haben Hunger, wir haben Durst, der Weg ist anstrengend. In der Bibel wird „motzen“ oder „meckern“ meist als Murren oder Klagen bezeichnet. Es ist ein wiederkehrendes Motiv, besonders in den Geschichten des Alten Testaments. Das Murren beschreibt dabei das Aufbegehren der Menschen gegen Gott oder gegen seine Führung (z. B. durch Mose), oft verbunden mit Ungeduld und Undankbarkeit.
Das bekannteste Beispiel findet sich im Buch Exodus. Nach dem Auszug aus Ägypten meckern die Israeliten ständig über Mose und Gott. Eigentlich hätten die Israeliten ja allen Grund gehabt, zufrieden und glücklich zu sein. Gott hat sie herausgeführt aus der Sklaverei in Ägypten. Sie sind auf dem Weg ins gelobte Land. Aber dann kommen unterwegs die ersten Schwierigkeiten und schon geraten sie ins Nörgeln. Es fehlt an Wasser, das Essen (Manna) ist eintönig und es lauern viele Gefahren die das Volk fürchten lassen. Das Volk stritt mit Mose und beschwerte sich lautstark. Man sehnte sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück und schimpfte.
Das Murren wird in der Bibel nicht als Kavaliersdelikt gesehen, sondern als mangelndes Vertrauen in Gottes Fürsorge. Es wird als Ausdruck der Ablehnung von Gottes Gegenwart interpretiert. Darum entfacht das Murren des Volkes Israel gemäss 4. Mose 11,1 den Zorn Gottes.
Jona zum Beispiel lief vor Gottes Auftrag weg und motzte am Ende heftig, weil Gott der Stadt Ninive vergeben hatte. Sein Trotzen ist sprichwörtlich. In der Bibel ist Jona der wohl grösste „Motzer“ unter den Propheten. Er weigert sich, Gottes Auftrag auszuführen, flieht, wird von einem Fisch verschluckt, und als seine Predigt erfolgreich ist, wird er stocksauer auf Gott und beschwert sich mehrfach. Nachdem die Menschen in Ninive Busse tun und Gott die Stadt verschont, ist Jona masslos enttäuscht. Er bringt seinen Unmut zum Ausdruck:
„O HERR, das ist's doch, was ich dachte... darum wollte ich gleich nach Tarsis fliehen... So nimm nun, HERR, meine Seele von mir; denn ich bin lieber tot als am Leben“
Jona ärgert sich über eine Pflanze: Gott lässt Jona aus dem Streit heraus eine prächtige Rizinusstaude als Schattenspender wachsen. Als Gott sie am nächsten Tag durch einen Wurm vertrocknen lässt, regt sich Jona erneut masslos auf und meint, er habe „mit Recht“ ein Recht zu sterben. Gott konfrontiert Jona daraufhin mit der Frage:
„Du bist so erbost über eine Pflanze, für die du keinen Finger krumm gemacht hast. Sollte ich da nicht Erbarmen mit dieser großen Stadt haben?“
Selbst im Neuen Testament wird vor ständigem Meckern und Nörgeln gewarnt. So ermahnt zum Beispiel der Apostel Paulus die Gemeinde in Philippi:
„Tut alles ohne Murren und Zweifel.“
"Bei allem, was ihr tut, hütet euch vor Nörgeleien und Rechthaberei."
In moderner Sprache bedeutet das: "Versucht, euren Alltag ohne ständiges Meckern und Jammern zu bewältigen". Dies soll den Glauben stärken und den Frieden bewahren.
Weitere Beispiele im Neuen Testament:
Im Gleichnis vom verlorenen Sohn meckert der daheimgebliebene, ältere Sohn über die Willkommensparty für den Rückkehrer. Er hat nichts begriffen
Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, beschweren sich beim Gutsherrn, weil die Späteinsteiger den gleichen Lohn erhalten wie sie selbst.
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