Petrusworte

Eine Serie über Aussagen von Petrus

Wohin sollen wir gehen?

 

Serie Petrusworte

 
 

Viel Spektakuläres haben die Leute zu sehen bekommen. Aktion ist geboten worden. Jesus ist auf dem Wasser gegangen. Er hat mit 2 Fischen und drei Broten über 5000 Leute gespeist. Wasser ist zu Wein geworden und viele Menschen wurden von Krankheiten geheilt. Diese Wunder welche Jesus vollbracht hat, haben viele Menschen angezogen. Es war damals wie heute: das Spektakuläre hat seinen Reiz. Die Leute kommen und wollen etwas sehen und erleben.

Jetzt liest man aber in unserem Text, dass viele Jünger sich gerade jetzt von Jesus abgewendet haben und nicht mehr bereit waren, mit Jesus zu gehen. 

Johannes 6,60 und 61 

"Viele von denen, die ihm bisher gefolgt waren, hörten es und sagten: »Das ist eine Zumutung! Wer will sich so etwas anhören?« Jesus wusste, dass selbst seine Jünger empört waren, und fragte sie deshalb: 

»Nehmt ihr schon daran Anstoss?"

 

Was war geschehen?

Jesus ist wohl Meinung vieler seiner Anhänger zu weit gegangen. Seine Aussagen, seine Forderungen waren eben nicht leicht bekömmlich. Die Jünger ärgerten sich über die Anmassungen Jesu. 

Unter anderem ging es um das Abendmahl, welches Jesus eingesetzt hatte mit den Worten: 

V 51 «Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben.» 

Dann berichtet Johannes: 

V 52 «das löste unter den Zuhörern einen heftigen Streit aus»

Die Nachfolger Jesus begannen sich innerlich zu sträuben und zu murren. Jesus hatte es gewagt zu behaupten, man käme nur durch ihn in den Himmel. Allein er habe die Möglichkeit, zu Gott dem Vater durchzudringen. Nur er könne das ewige Leben vermitteln. Das war zu viel. Das erregte Anstoss. Man konnte es nicht fassen und wollte es nicht hinnehmen. 

Ausserdem hat sich der Misserfolg, der sich im Kreuz vollenden wird, immer deutlicher abgezeichnet. Eine Niederlage Jesu war vorhersehbar. Da wollte man nicht dabei sein. Wer will schon zu einem Verlierer gehören. Es wird uns berichtet, dass viele sich von Jesus abgewendet haben.

Johannes 6,66

"Danach wandten sich viele, die ihm gefolgt waren, von Jesus ab und gingen nicht mehr mit ihm." 

 

Was für eine Dramatik. 

Dann wendet sich Jesus noch an den engeren Kreis seiner Jünger. Er spricht speziell die 12 von ihm ausgewählten Jünger an, also diejenigen, welche viel mit Jesus zusammengelebt hatten. 

Johannes 6,67

 »Und ihr – wollt ihr auch weggehen?"

 

Das ist äusserst spannend. Es fällt auf, dass Jesus seine Getreuen nicht anbettelt, ihn nicht im Stich zu lassen und bei ihm zu bleiben.

 

 

1) unsere Freiheit

Angesichts des Ernstes der Lage lässt Jesus sich nicht zu einer beschwörenden Aufforderung zur Treue hinreissen. Im Gegenteil: er macht die Tür weit auf. "Wollt ihr nicht auch weggehen?" Jesus gibt frei.

Eigentlich ist das verrückt. Mit einer solchen Geschäftspolitik könnte kein Unternehmen überleben.  

 

Jesus gibt frei. Zum Glauben muss man niemanden drängen. Glaube kann nur in Freiheit leben. Darum unterscheidet sich Jesus markant von den menschlichen Führern, die mit allen Mitteln ihre Anhängerschaft festzuhalten versuchen. Jesus gibt Freiheit. Auch für die "Zwölf" ist der Weg von Jesus fort jederzeit offen. Das gilt auch für jeden Christen heute: Jesus hält niemanden zurück. Er zwingt niemanden. Er kommt nicht mit Drohungen. Du kannst tun und lassen, was Du willst. Verstehst Du? Die Liebe Gottes bindet nicht und überredet auch nicht. Gott behandelt uns Menschen nicht wie Marionetten. Er will uns als Gegenüber. Er hat uns als freie, entscheidungsfähige Lebenswesen geschaffen. Dies macht uns ihm ähnlich (siehe: "nach seinem Bild geschaffen"). Diese Freiheit zur Entscheidung lässt er uns auch, wenn es um unsere Haltung ihm gegenüber geht.

Die Freiheit / Freiwilligkeit hat zentrale Bedeutung beim christlichen Glauben. Ist auch logisch, denn Glaube bedeutet Vertrauen. Vertrauen kann man nicht erzwingen. Es entsteht durch Beziehung. Gott zwingt niemanden. Du kannst Dich entscheiden, was Dir wichtig ist und wie Du Dein Leben gestalten möchtest.

Manche erleben das nicht so. Sie verspüren Druck und Zwang. aber, es ist nicht Jesus, der einem unter Druck setzt. Das sind Menschen und oft ist es auch unser eigenes Leistungsdenken.

Man macht einen Riesenfehler, wenn man Menschen mit Verpflichtungen und Ordnungen an Jesus binden will. Wenn man nicht gehorcht, geht man verloren. Die Angst vor der Hölle als Druckmittel. Es wird als Machtmittel genutzt, um andere gefügig zu machen. Nicht so Jesus.  

Wo Menschen unfreiwillig, lustlos bei Jesus gehalten werden, da kann nichts Gutes herauskommen. Da wird geklagt, gejammert, geschimpft. Wer nicht will, der soll sich auch nicht gebunden fühlen ... das ist das Prinzip von Jesus.

 

Wie haben die Jünger auf die Frage von Jesus reagiert? «Wollt ihr nicht auch weggehen?» Was haben sie geantwortet?

 

 

2) unsere Reaktion

 

Johannes 6,68

Petrus meinte: »Herr, wohin sollten wir denn gehen?« 

Simon Petrus überschlägt die Sache. Er kann zurück zu den Fischen und zu seinen Booten. Zurück ins alte Leben. 

Wie ist Deine Antwort auf die Frage von Jesus? Wie reagierst Du auf die Freiheit, die er Dir gibt?

 

Du kannst Dich in den Taumel der Welt stürzen. Du kannst die Gebote Gottes vergessen und dich nach deinem Gutdünken austoben. Welch eine Versuchung. Wer kennt das nicht: noch einmal heraus aus allen Bindungen, Kämpfen und Nöten, die aus der Nachfolge Jesu kommen. Man kann sich hemmungslos hineinstürzen, geniessen und "sich ausleben"! Gewiss, das ist ein Weg.

Man kann in den Alltag zurück, in ein Leben satter Ruhe, wie es war, bevor Jesus gerufen hat. Gewiss, das ist ein Weg.

Man kann sich an Menschen binden und hängen. Man kann Ehre und Einfluss zu gewinnen suchen. Man kann den Weg des selbstgerechten Leistungsprinzips gehen. Man kann ... man kann ...

 

Alle diese Wege führen in eine Sackgasse. Sie enden im Dunkel. Von Jesus weggehen ist für Petrus kein Weg. Das Leben ohne Jesus kann ihm doch nichts Gleichwertiges bieten. Petrus sieht es in diesem Augenblick vor sich. Ein "Weggehen" von Jesus müsste doch ein Ziel haben. Eine blosse Rückkehr in die alten Verhältnisse wäre nicht sinnvoll. Er kann ja nicht so tun, als hätte er in der Zwischenzeit nichts gehört, nichts erfahren und nichts miterlebt hätte. Ist ein Zurück überhaupt möglich? Für die Zwölf nicht. Sie müssten schon zu einem anderen gehen, der grösser und besser wäre als Jesus. Aber zu wem sollten sie gehen? Es ist kein anderes gleichwertiges Ziel vorhanden. Für die ganze Menschheit ist es "nach Christus" nicht mehr möglich, so zu leben, wie sie "vor Christus" gelebt hat. Es gibt kein Zurück. Wohin? Es gibt nur Jesus. Alle anderen Wege führen in eine Sackgasse. Es gibt keine echte Alternative.

Diese Entscheidung muss jeden Tag neu getroffen werden. Will ich auf das eingehen, was Jesus sagt - oder ist es mir zu radikal. Will ich einspannen lassen im Bau des Reichen Gottes oder ist mir der Aufwand zu gross?

 

Jetzt bricht das Bekenntnis bei Petrus klar hervor: 

Johannes 6, 69

"Nur Du hast Worte des ewigen Lebens"!

Simon Petrus antwortete: 

 »Nur deine Worte schenken das ewige Leben. Wir glauben und haben erkannt, dass du der Heilige bist, den Gott gesandt hat." 

 

 

3) Die Motivation

Interessant: Nicht von Zeichen und Wundern spricht Petrus. Nicht davon, dass Jesus Tote auferweckt und Kranke geheilt hat. Nicht diese Wunder sind es, die ihn und seine Mitjünger bei Jesus festhalten. Er spricht auch nicht von anderem, wie Vergebung und Liebe, oder Hoffnung. Es ist das, was Jesus gesagt hat, was ihn überzeugt. Worte deren Macht sie erfahren haben. Worte, die das eigentliche Leben erschliessen und vermitteln, haben sie bei Jesus gehört. Könnten sie bei irgendeinem anderen mehr oder grösseres finden?

Wie Nahrung sei das Wort Gottes (Jeremia 15,16). Im Austausch mit Gott, Hören, im Lesen, im ofenem Empfangen und in der tätigen Antwort fände der Mensch zu einer Gottesnähe, die ihn leben lässt - für immer (Jersaja 55,3). Schöpferisch wirksam sei das Wort Gottes, es könne Leben schenken (Hesekiel 37,4). Das ist der Grundtenor zum Wort, der die Bibel durchzieht. Das gilt auch heute noch für uns. Es sind immer wieder gemachte Erfahrunen, wie tief ein Wort uns unter die Haut gehen und Veränderung bewirken kann. Das nimmt Jesus für sich in Anspruch, dass seine Worte als "Wort von Gott" göttliches Leben schenken. 

Ungemein tröstlich finde ich, dass nicht alle Jünger zustimmen können, sondern einige sich auflehnen und Jesus widersprechen, sich schliesslich sogar von ihm trennen. Das Wort, das unter die Haut geht und Menschen mitreisst, sie Dinge glauben und tun lässt, die man ihnen nie zugetraut hätte, dieses haben nicht nur Gottesleute gepachtet, auch die Volksverführer und Hetzer und auch Machthaber,d ie absolut herrschen und Gewalt ausüben, nutzen es für sich. Hier reisst es Menschen in den Abgrund und Tod. Hier ist keine Freiheit, sondern Manipulation und Bestrafung für jeden Widerspruch.

Das machtvolle Wort Gottes dagegen dominiert und überfällt nicht. Es überzeugt, in dem es Widerspruch erzeugt, Unterscheidungsprozesse verlangt und eine freie Entscheidung einfordert.

 

 

Schluss:

Eines tritt uns deutlich entgegen: die Jünger, die sich zurückziehen, fanden die Aussagen Jesus hart; die Jünger, die blieben, erkennen in dem gleichen Wort die Kraft und die Gabe ewigen Lebens. So verschieden wird das gleiche Wort gehört, je nachdem, ob man es im Glauben oder im Unglauben hört.

Beide Gruppen handeln aus demselben Grund: die Aussage Jesu, er vermittle ewiges Leben. Für die einen war eine solche Aussage intolerant, für die anderen beinhaltet es die einzige Hoffnung für die es zu leben lohnt.

 

1.Korinther 1,23-25

«Wir aber verkünden den Menschen, dass Christus, der von Gott erwählte Retter, am Kreuz sterben musste. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die Griechen blanker Unsinn. Und dennoch erfahren alle, die von Gott berufen sind – Juden wie Griechen –, gerade in diesem gekreuzigten Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Was Gott getan hat, übersteigt alle menschliche Weisheit, auch wenn es unsinnig erscheint; und was bei ihm wie Schwäche aussieht, übertrifft alle menschliche Stärke.»

 

An Jesus scheiden sich die Geister. Die einen schütteln ihre Köpfe - die anderen öffnen ihr Leben.

Wie verhältst Du Dich?

 

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